Interview

Interview mit Trainer Thomas Doll: "Da ist ein Prozess in Gang gekommen"

"Die Jungs verinnerlichen langsam, auf was es ankommt. Sie sprechen mehr über Fußball. Sie setzen sich bewusster mit ihrem Beruf auseinander", sagt Thomas Doll im Interview mit dem kicker-Sportmagazin und fügt hinzu: "Da ist ein Prozess in Gang gekommen. Abgeschlossen ist er noch nicht."

kicker: Beim sechsten Tor gegen Bielefeld fiel Ihr Jubel ungewöhnlich verhalten aus. Bekamen Sie die Arme nicht mehr hoch, Herr Doll?
Thomas Doll: Ich habe mich innerlich gefreut. Wenn ein Kollege wie Ernst Middendorp an der Linie leidet, muss ich nicht mehr an die Seite rennen und meine Freude rausbrüllen.
kicker: Binnen einer Woche bezwang der stark verbesserte BVB erst Stuttgart und dann Bielefeld. Wie stabil ist dieser Aufschwung?
Doll: Die Jungs verinnerlichen langsam, auf was es ankommt. Sie sprechen mehr über Fußball. Sie setzen sich bewusster mit ihrem Beruf auseinander. Da ist ein Prozess in Gang gekommen. Abgeschlossen ist er noch nicht.
kicker: Besteht ein Zusammenhang zwischen den beiden Siegen und der Rückkehr zur Mittelfeld-Raute?
Doll:Ich glaube, dass wir uns in einem 4-4-2 mit Raute einfach wohler fühlen. Wir hatten zweimal hintereinander 18 Torschüsse.
kicker: Und Sebastian Kehl wieder zentral vor der Abwehr.
Doll: Er spricht auf dem Platz oder in der Kabine alle wichtigen Themen an - und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Und dabei geht es ihm nur um die Sache.
kicker: Ist Kehls Rückkehr der Schlüssel zur Wende?
Doll: Mit ihm, mit Tinga und Florian Kringe haben wir jetzt ein Mittelfeld, das neben der erforderlichen Laufstärke auch über eine gewisse Erfahrung verfügt - so wie das beim HSV zu meiner Zeit mit Jarolim, Wicky und Beinlich hinter van der Vaart der Fall war. Dadurch ist es auch für Giovanni Federico leichter.

kicker: Kommt der BVB nach zuletzt sechs Punkten endlich zur Ruhe?
Doll: Das hat allein etwas mit Resultaten zu tun. Es gibt jetzt schon wieder ein paar Zeitgenossen, die sich im Umfeld Gedanken über internationalen Fußball mit Dortmunder Beteiligung machen. Wichtig ist, dass wir uns davon nicht beeinflussen lassen.
kicker: Geht es noch weiter nach oben für Dortmund?
Doll: Die Borussia ist ein Riesenverein. Ein schlafender Riese. Trotzdem brauchen wir Geduld. Auch nach diesen beiden Siegen. Und wir müssen uns in der Breite verstärken. Wenn bei uns einer ausfällt, muss ich immer wieder basteln. Deshalb werden wir bestimmt etwas machen.
kicker: Schon in der Winterpause?
Doll:Das klären wir gerade ab. Wir haben einige Spieler im Blickfeld.
kicker: Wie stark ist der schon mehrmals beobachtete Rechtsverteidiger Etto von Dinamo Zagreb?
Doll:Er macht auf uns einen guten Eindruck.
kicker: Wollen Sie nur in der Abwehr nachbessern?
Doll:Vorne im Sturm ist das mit vier Mann okay.
kicker: Hat sich Martin Amedick, der bei Ihnen zunächst gar kein Land sah, als Innenverteidiger inzwischen festgespielt?
Doll: Er hat das gegen Bielefeld und Stuttgart zweimal sehr souverän gemacht und damit Duftmarken gesetzt. Sollte er diese Leistungen jetzt auch in Wolfsburg bestätigen: Der letzte Eindruck bleibt hängen.
kicker: Christian Wörns wird seinen Platz nicht auf Dauer kampflos preisgeben.
Doll:Das ist auch gut so.

kicker: Obwohl es gegen Bielefeld Einbahnstraßenfußball gab, lobten Sie vor allem Ihre wenig beschäftigte Viererkette. Warum?
Doll:Das geschah mit Absicht.
kicker: Um was auszudrücken?
Doll:Speziell die Manndecker werden schnell vergessen. Dabei haben sie einen Klassejob gemacht. Robert Kovac und Martin Amedick schieben den Laden mutig nach vorn. So kriegen wir eine richtig gute und enge Kampfzone.
kicker: Auf der rechten Außenbahn setzt Jakub Blaszczykowski immer stärkere Akzente. Ziehen Sie die Variante mit ihm als Außenverteidiger auch über einen längeren Zeitraum in Betracht?
Doll:Kuba ist Mittelfeldspieler und wird auch Mittelfeldspieler bleiben. Er soll sich keine Gedanken machen. Ich will seine Power nach vorne nutzen. Hinten ist er keine Dauerlösung.
Quelle: kicker-Sportmagazin, Autor des Interviews: Thomas Hennecke

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